Vortrag & Diskussion: Rechte Burschen

In den 1970ern schien ihr Ende nahe. Studentenverbindungen – elitäre Traditionsvereine konservativer bis extrem rechter Prägung – gerieten durch den Modernisierungsschub an den Hochschulen gewaltig unter Druck. Ihr altertümliches Gehabe, das sich in seltsamen Trink- und Feierriten, angeblich altdeutscher Kleidung und konservativen Handlungsweisen zeigt, schien den gesellschaftlichen Verhältnissen nicht mehr angemessen. Spätestens in den 1990ern hat sich diese Tendenz grundlegend verändert.
Der strukturelle Konservatismus der Studentenverbindungen lässt sie angesichts des ungebrochenen Vormarsches reaktionärer Positionen in der deutschen Gesellschaft wieder zunehmend als attraktive Vereinigungen erscheinen. Elitendenken, Männerbündeleien, Unterordnungsbereitschaft, Militarismus, Akzeptanz von Hierarchien und Geschlechterstereotypen – das sind Verhaltensweisen, die in Studentenverbindungen erlernt und danach oft in gehobener Position praktiziert werden. Besonders bei Burschenschaften verbindet sich dieser Habitus mit engen Kontakten zur extremen Rechten.

Der Referent:
Jörg Kronauer lebt und arbeitet in Köln als Sozialwissenschaftler und freier Journalist. Er ist einer der Autoren des Buchs „Studentenverbindungen in Deutschland: Ein kritischer Überblick aus antifaschistischer Sicht“.


24. Mai 2012 | Donnerstag
19 Uhr | CZS 3 | SR 308

Veranstaltung im Rahmen der Kampagne Burschentag zum Desaster machen.

Noch vier Tage bis zum BUKO!

Der Countdown läuft. Nur noch wenige Tage bis zum BUKO-Kongress in Erfurt. Der Druck steigt. Under Pressure! Die Vorfreude auch. Hier noch mal die allerherzlichste Einladung: Kommt kongressen, kommt zum BUKO 34 nach Erfurt! Ein Klick auf die Kongress-Homepage lohnt sich.

Eine alphabetische Auflistung der verschiedenen Workshops & Aktionen – über 70 sind es – findet ihr hier. Nun stehen auch die Zeiten und Räume fest. Ihr könnt also anfangen, Euch
Euren persönlichen BUKO-Fahrplan zusammen zu stellen.

Ein paar Tipps aus dem vielfältigen Programm:

- Freitag, 18.5., 20-22 Uhr, Podiumsdiskussion „Irrwege aus der Krise – Der rechte Roll-Back“ mit: Georg Klauda (Soziologe und Autor des Buchs
„Die Vertreibung aus dem Serail – Europa und die Heteronormalisierung der islamischen Welt“), Kien Nghi Ha (Politikwissenschaftler mit den
Arbeitsschwerpunkten Migration & Rassismus) und Bernard Schmid (Arbeitsrechtler & freier Journalist, u.a. Jungle World & ak):

- Samstag, 19.5., ab 14 Uhr, BUKO goes Downtown: Radioballett „Krisen, Kämpfe, Transformationen“.

- Samstag, 19.5., Die Asylmonologe, ein Theaterstück. Die Asyl-Monologe erzählen von Menschen, die Grenzen überwunden, Verbündete gefunden und ein „Nein“ nie als Antwort akzeptiert haben.

- Samstag, 19.5., ab 21, Uhr, Der Kongress tanzt! Ein Abend, 4 Band, 4 DJs, 2 Floors. Wir laden ganz herzlich zur Kongressparty am Samstag, 19.5., in die Offene Arbeit ein.
Ab 21 Uhr spielen: *Lena Störfaktor (HipHop, Berlin), *Laubsägenmassaker III (Elektropunk, Erfurt),*Vibration Syndicate (Ska, Erfurt), *Beatpoeten (Elektro Beats & Lyrik, Hamburg). Zudem gibt es vier Djs auf 2 Tanzflächen: *Das Zirkuskind (DnB, Breakcore); *Stupid (DnB, Breakcore),*Mashu (Elektro, Muna), sowie *Müttern talking with line & resa (Pop, 80er, Trash).

Wir sehen uns in Erfurt!

Sarah und Miloud bleiben – und alle anderen auch! Solidaritätsaktion am 7. Mai

Von einer so breiten Resonanz auf die eigene Arbeit träumen wahrscheinlich so manche Beamt_innen in Deutschland; das Landratsamt Meiningen war allerdings nicht so entzückt über die unzähligen Nachfragen und die öffentliche Kritik an der Bedrohung von Sarah und Miloud Lahmar Cherif. Sehr bald hieß es nur noch, dass „eine Abschiebung zur Zeit nicht beabsichtigt ist“. Zudem musste die Ausländerbehörde zugeben, dass sie vergeblich versucht hat, ohne Milouds Einverständnis ein Visum für eine gemeinsame Abschiebung in die Ukraine zu erwirken. Zunächst gab sich die Ausländerbehörde nur verärgert über das große Interesse. Nachdem jedoch der Druck zunahm und Miloud öffentlich seinen Ungehorsam für den Fall einer gewaltsame Abschiebung ankündigte, versuchte das Landratsamt, den aufkommenden politischen Konflikt zu befrieden. Sie boten dem Paar in einem Gespräch an, von Abschiebemaßnahmen – vorerst – abzusehen, Miloud sein Studium zu ermöglichen und Möglichkeiten eines humanitären Bleiberechts für Sarah auszuloten.
(mehr…)

Den Burschentag zum Desaster machen || Zweite Phase – Der Countdown läuft

Seit dem Mauerfall findet in Eisenach jährlich der Burschentag der Deutschen Burschenschaft (DB) statt. Dazu treffen sich Hunderte Burschenschafter aus Deutschland und Österreich auf der Wartburg. Der historische Bezug, den sie damit herstellen, ist das Wartburgfest 1817, auf dem zwei Jahre nach der Gründung der Urburschenschaft die frühen Burschenschaften zusammenkamen. Sie gaben sich hier nicht nur ein nationalpolitisches Programm, sondern verbrannten auch mit antifranzösischer, antiaufklärerischer und antijüdischer Stoßrichtung Bücher: unter anderem den Code Civil, der die Gleichstellung der Bürger festschrieb und eine Schrift des deutsch-jüdischen Schriftstellers Saul Ascher, die vor den Gefahren eines übersteigerten Deutschtums warnte.

Nazis – Konservative – tolerante Demokraten?
Nachzuweisen, dass die DB voller handfester Nazis ist, ist nicht schwer. Beispiele sind etwa Jürgen W. Gansel, im NPD-Parteivorstand, sowie der sächsische NPD-Landtagsabgeordnete Arne Schimmer (beide Dresdensia Rugia zu Gießen). Die Danubia München versteckte 2001 einen wegen eines rassistischen Übergriffes polizeilich gesuchten Neonazi und lud den bekannten Holocaustleugner und Nazi-Anwalt Horst Mahler ein. Darüber hinaus tauchen regelmäßig Burschenschafter auf NPD-Spendenlisten auf.
Das verwundert nicht, denn 1973 scheiterte der Antrag einer Burschenschaft, der forderte, eine gleichzeitige Mitgliedschaft in DB sowie NPD, Nationaldemokratischem Hochschulbund und anderen neonazistischen Vereinigungen auszuschließen. Die Marburger Burschenschaft Rheinfranken brachte auf den Punkt, dass ein solcher Beschluss „eine ganze Reihe von Bünden in grundsätzliche Schwierigkeiten gebracht“ hätte. Entlarvenderweise beschloss der gleiche Burschentag die Unvereinbarkeit der Mitgliedschaft in der DB und „rechtsextremen Gruppen“ – wer die dann noch sein mögen, ist völlig schleierhaft.
Auch die Diskussion um den so genannten „Arierparagraphen“ beim Burschentag 2011 zeigt den völkischen Charakter der DB: Einem Antrag der Alten Breslauer Burschenschaft der Razceks zu Bonn zufolge sollten nur „Deutschstämmige“ als Mitglieder zugelassen werden. Betrachtet man den historischen Bezug verwundert das allerdings auch nicht weiter. Schon ab 1896 wurden keine Juden mehr in Burschenschaften aufgenommen. Ab den 1920er Jahren zählten die Burschenschaften zu den stärksten Unterstützern der NSDAP, die Unstimmigkeiten zwischen dem Nationalsozialistischen deutschen Studentenbund (NSDStB) und den Korporierten, die heute gern als „Widerstand“ verkauft werden, drehten sich lediglich um Führungsansprüche – inhaltliche Differenzen gab es kaum. Und so wurden zahlreiche Burschenschafter Funktionäre im NSDStB.
Die völkische Ideologie der Burschen findet sich nicht nur in Bezug auf die eigenen Reihen, sondern schlägt sich auch im sonstigen politischen Bestreben nieder: Das völkische Deutschlandbild ist eines der zentralen Programmpunkte der DB. So zielt eben auch ihr Wahlspruch „Ehre – Freiheit – Vaterland“ auf eine Nation, deren Basis das „deutsche Volk“ sein soll. Diesem „volkstumsbezogenen Vaterlandsbegriff“ ist es auch zu verdanken, dass seit 1971 die österreichischen Burschenschaften in die DB aufgenommen werden können. Der DB zufolge endet die deutsche Nation nämlich nicht an den Grenzen der BRD.
(mehr…)

Stoppt die Abschiebung von Sarah und Miloud!


Den Flüchtlingen Sarah und Miloud Lahmar-Cherif, die momentan im Flüchtlingslager Zella-Mehlis untergebracht sind, droht ab Anfang Mai die Abschiebung. Beide haben sich bereits mehrfach öffentlich gegen die diskriminierende und menschenunwürdige Behandlung durch die deutschen Behörden zur Wehr gesetzt, Miloud ist ein bekanntes Gesicht der seit einiger Zeit laufenden „Break Isolation!“-Kampagne gegen die Thüringer Isolationslager. In einer von der Familie Lahmar-Cherif veröffentlichten Erklräung schreiben sie: „Es ist unser Recht zu entscheiden, wo wir leben wollen – dafür werden wir wei­ter kämpfen.“
Im Rahmen der Kampagne Break Deportation! haben sich inzwischen verschiedene Gruppen und Einzelpersonen mit Sarah und Miloud solidarisiert und rufen zu Aktionen gegen die drohende Abschiebung auf. Für uns ist klar: Sarah und Miolud bleiben! Keine Abschiebung am 7. Mai – und auch sonst nicht!

Erklärung: Abschiebeprozess – Familie Lahmar Cherif
Am 04.03.2012 haben wir von der Ausländerbehörde Schmalkalden-Meiningen einen Brief bekommen, in dem uns bis zum 07.05.2012 Zeit gegeben wird, Deutschland freiwillig zu verlassen – wenn wir uns weigern, werden sie uns abschieben.

Aufgrund unserer unterschiedlichen Nationalitäten (Algerier, Ukrainerin) planen sie, uns entweder zu zwingen, zusammen in eines der beiden Länder zu gehen, oder uns getrennt voneinander abzuschieben. Obwohl wir unsere offiziellen Personalausweise und Heiratsdokumente abgegeben haben, die unsere Ehe beweisen, drohen sie uns mit Trennung durch Abschiebung.
(mehr…)



Referer der letzten 24 Stunden:
  1. google.com (4)